Plaza del Espíritu Santo und ihre historische Ermita
Barockbrunnen, verschwundene Musen und die Kapelle des Cristo del Buen Fin
Die dreieckige Plaza del Espíritu Santo gehört zu den schönsten Winkeln der Altstadt Vegueta. Ihr überdachter Steinbrunnen von Manuel Ponce de León galt einst als architektonische Sensation, und die schlichte Ermita von 1615 bewahrt den verehrten Cristo del Buen Fin. Ein stiller Ort mit großer Stadtgeschichte.
Ein verstecktes Kleinod im Herzen von Vegueta
Während sich die Besucherströme an der Catedral de Santa Ana drängen, liegt nur wenige Schritte entfernt einer der stimmungsvollsten Orte der Altstadt fast unbemerkt: die Plaza del Espíritu Santo. Der kleine, ungewöhnlich geschnittene Platz an der Ecke der Straßen Espíritu Santo und Doctor Chil zählt zu den schönsten und nobelsten Winkeln von Vegueta – und erzählt zugleich ein gutes Stück Stadtgeschichte von Las Palmas de Gran Canaria.
Ein dreieckiger Platz aus dem 16. Jahrhundert
Anders als die meisten Plätze ist die Plaza del Espíritu Santo dreieckig angelegt – eine Form, die dem Ort seinen besonderen Reiz verleiht. Ihre heutige Gestalt verdankt sie vor allem dem Wohlstand, den Las Palmas Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte: In dieser Blütezeit entstanden viele der herrschaftlichen Bürgerhäuser ringsum sowie der zentrale Brunnen. Beschattet wird der kleine Garten von einem Drachenbaum (Drago) und einer Araukarie, die symbolisch für die Verbundenheit zwischen den Kanaren und Amerika stehen.
Die Ermita del Espíritu Santo: 1615 aus der Asche
Die schlichte Ermita del Espíritu Santo am Rand des Platzes wirkt mit ihren nüchternen Linien fast ländlich – mitten im Stadtkern. Das ist kein Zufall: Die ursprüngliche Kapelle wurde 1599 beim Überfall des holländischen Admirals Pieter van der Does zerstört, der weite Teile der Stadt in Brand setzte. Der heutige Bau entstand danach und wird auf 1615datiert.
Im Inneren erwartet Besucher ein einschiffiger Raum, der sich zum Presbyterium hin weitet, mit einer edlen Holzdecke (Techumbre) im Mudéjar-Stil. Eine bauliche Kuriosität: Von den drei ursprünglichen Türen waren die beiden seitlichen seit jeher zugemauert. Zu den Schätzen zählen der Cristo del Buen Fin (17. Jahrhundert) auf einem neoklassizistischen Altarretabel sowie eine Dolorosa des großen grancanarischen Bildhauers Luján Pérez, dazu Kanzel, Glasfenster, Monstranz und ein bemerkenswertes Taufbecken.
Ehrlich gesagt: Die Ermita ist nur selten geöffnet und meist von außen zu bestaunen. Wer das Innere sehen möchte, plant den Besuch am besten rund um Gottesdienste oder die Karwoche.
Welcher Rang unter den ältesten Kirchen von Las Palmas?
Eine einfache „Nummer" lässt sich nicht vergeben, aber die Einordnung ist eindeutig: Im 16. Jahrhundert besaß die junge Stadt bereits eine Kathedrale, zwei Klosterkirchen und zwölf Ermitas. Die Plaza del Espíritu Santo gehört mit ihrem 16.-Jahrhundert-Ursprung zu dieser frühen Generation.
Die Rangfolge der ältesten Sakralbauten sieht ungefähr so aus: An erster Stelle steht die Ermita de San Antonio Abad – an deren Stelle 1478 die allererste Kirche der Stadt errichtet wurde (heutiger Bau allerdings erst 1757). Es folgen die Catedral de Santa Ana (Baubeginn Ende des 15. Jh.) und die Ermita de San Telmo (16. Jh., ebenfalls 1599 zerstört). Die Ermita del Espíritu Santo reiht sich direkt dahinter ein. Bezogen auf die erhaltene Bausubstanz ist sie mit ihrem Bau von 1615 sogar älter als die heutige San-Antonio-Abad-Kapelle und zählt damit zu den am längsten in ihrer Form bewahrten Kirchenbauten der Stadt.
Der überdachte Brunnen und die verschwundenen Musen
Blickfang des Platzes ist die Fuente del Espíritu Santo, zwischen 1867 und 1869 vom grancanarischen Künstler Manuel Ponce de León y Falcón (1812–1880) entworfen. Ihre Besonderheit: Ein steinerner Tempel überdacht den Brunnen – eine der wenigen überdachten Brunnenanlagen der spanischen Architektur überhaupt. Finanziert wurde sie durch eine öffentliche Spendensammlung der Bürger. Lange Zeit war die Stelle zudem der „Kilometer Null" des alten Wassernetzes von Gran Canaria, von dem aus die Stadt versorgt wurde.
Der berühmte kanarische Politiker Fernando León y Castillo soll über das ungewöhnliche Dach gespottet haben, es sei das einzige Dach, das er je gesehen habe, „damit das Wasser nicht feucht wird". Heute kaum noch bekannt: Ursprünglich umstanden vier weibliche Statuen den Brunnen – Sinnbilder der vier Künste Musik, Architektur, Malerei und Bildhauerei. Ein heftiger Sturm Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte sie nahezu vollständig; Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Reste entfernt. Ein Versuch in den 1990er-Jahren, sie durch Nachbildungen zu ersetzen, scheiterte – seither bleibt der Platz um den Brunnen leer.
Cristo del Buen Fin und die nächtliche Karfreitagsprozession
Der Cristo del Buen Fin („Christus des guten Endes") ist Mittelpunkt einer der eindrucksvollsten Traditionen Veguetas. Die 1941 gegründete Bruderschaft in ihren langen roten Kapuzenmänteln zieht in der Nacht zum Karfreitag in einem stillen Kreuzweg durch die Gassen der Altstadt. Vor dem Auszug erklingt in der Ermita das Miserere, eine Glocke markiert die Stationen – ein Schauspiel, das in seiner Schlichtheit und Dunkelheit besonders ergreifend wirkt.
Die Herrenhäuser rund um den Platz
Viele der umliegenden Bürgerhäuser stammen ebenfalls aus der Feder von Manuel Ponce de León, der nebenbei auch den Mercado de Vegueta, den Bischofspalast und Teile des Rathauses gestaltete. Architektonisch hervor stechen die Casa Manrique, errichtet über einem älteren Vorgängerbau, und die Casa Llarena. Ein weiteres Haus der Familie León y Joven diente später als Handelsschule (Escuela de Comercio).
Verkehrsverbindungen
Die Plaza del Espíritu Santo liegt mitten in Vegueta und ist am besten zu Fuß zu erreichen – die gesamte Altstadt ist ein kompaktes Fußgängerrevier. Der nächste größere Verkehrsknoten ist die Estación de San Telmo, von wo aus zahlreiche Stadtbuslinien (Guaguas Municipales) sowie die Überlandbusse von Global starten; von dort sind es rund zehn Minuten zu Fuß. Wer mit dem Auto kommt, nutzt am besten ein Parkhaus am Rand von Vegueta, da die Altstadtgassen weitgehend für den Durchgangsverkehr gesperrt sind.
Fotos Platz Espiritu Santo
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
| Sehenswürdigkeit | Entfernung (ca.) | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Catedral de Santa Ana & Plaza de Santa Ana | ca. 200 m | Wahrzeichen der Altstadt mit Aussichtsturm |
| Casa de Colón | ca. 150 m | Museum zu Kolumbus und den Kanaren-Etappen |
| Ermita de San Antonio Abad | ca. 250 m | Älteste Kirchenstätte der Stadt, „Kolumbus-Kapelle" |
| Centro Atlántico de Arte Moderno (CAAM) | ca. 200 m | Museum für moderne und zeitgenössische Kunst |
| Museo Canario | ca. 300 m | Archäologie der altkanarischen Kultur |
| Mercado de Vegueta & Plaza del Pilar Nuevo | ca. 250 m | Historische Markthalle und lebendiger Platz |