Barranco de Guayadeque – Höhlendorf und Schlucht der Altkanarier
Vintage Bilder Gran canaria © las-palmas-24.com

Barranco de Guayadeque – Höhlendorf und Schlucht der Altkanarier

Höhlenrestaurants, Felskapelle und Wanderwege bis zur Caldera de los Marteles

Der Barranco de Guayadeque ist eine der eindrucksvollsten Schluchten Gran Canarias – ein Tal, in dem Menschen bis heute in Felshöhlen wohnen, essen und beten. Dieser Artikel führt zu den Höhlenrestaurants und zur Felskapelle, erklärt die Bedeutung für die Altkanarier und zeigt Wanderungen und MTB-Touren bis hinauf zur Caldera de los Marteles.

Spektakuläre Landschaft: die tiefe Schlucht von Guayadeque

Der Barranco de Guayadeque – der Name bedeutet in etwa „Ort des fließenden Wassers" – schneidet auf rund 15 km vom Inselinneren bis fast zur Ostküste ins Gebirge. Er trennt die Gemeinden Agüimes und Ingenio und wurde im Jahr 2000 zum Naturdenkmal (Monumento Natural) erklärt. Zwischen steilen, oft senkrechten Tuffwänden wachsen über 80 endemische Pflanzenarten, von der kanarischen Sabina bis zu Mandelbäumen, deren Blüte im Spätwinter zu den schönsten Momenten des Tals gehört. Von mehreren natürlichen Balkonen öffnet sich der Blick über die löchrige Felskulisse bis hinunter zum Meer.

Höhlenrestaurants am Ende der Straße

Die Landstraße GC-103 führt von Agüimes bzw. Ingenio am Talgrund entlang immer tiefer in die Schlucht und endet nach rund 7 km beim Restaurante Tagoror, unterhalb der markanten Montaña de las Tierras – dem letzten mit dem Auto erreichbaren Punkt. Entlang dieser Straße liegen mehrere in den Fels gegrabene Höhlenrestaurants (u. a. Tagoror, Vega, Grill La Era), bekannt für kanarische Küche und Grillgerichte tief im Berginneren. Direkt beim Parkplatz lädt die Casa Cueva Canaria, ein Kunsthandwerks- und Produktladen in einer Wohnhöhle, zum Stöbern ein.

Die Felskapelle Ermita de San Bartolomé

An einem kleinen Platz nahe der Straße steht die Ermita de San Bartolomé de Guayadeque – eine Höhlenkirche, die vollständig in die Reste eines Vulkankegels gehauen ist; auch der Innenraum ist aus dem Fels gemeißelt. Ihr genaues Alter ist unbekannt, das Kruzifix soll älter als die kastilische Eroberung sein. Die Kapelle steht sinnbildlich für ein Tal, in dem der Fels seit jeher Wohnraum, Vorratskammer und Gotteshaus zugleich ist.

Bedeutung für die Altkanarier: Wohnhöhlen, Speicher und Gräber

Guayadeque war in der Frühzeit eine der am dichtesten besiedelten Zonen der Insel. Die weichen Tuffschichten ließen sich leicht bearbeiten, sodass Hunderte von Höhlen entstanden – als Wohnungen, Getreidespeicher und Grabstätten. Der Barranco zählt zu den bedeutendsten archäologischen Fundplätzen Gran Canarias und ist seit 1991 als archäologische Zone geschützt; noch 2020 wurden unberührte Bereiche entdeckt. Bewohnte Höhlenweiler wie Cueva Bermeja zeigen, dass diese Lebensform bis heute fortbesteht.

Centro de Interpretación: Mumien und das Leben der Ureinwohner

Am Taleingang auf der Seite von Agüimes vermittelt das Centro de Interpretación del Barranco de Guayadeque die Lebensweise der Altkanarier – mit Ausstellungen und einer nachgebildeten Grabhöhle samt Mumien-Darstellung, die die Bestattungsriten anschaulich macht. Die größte Sammlung originaler Mumien und Gerätschaften aus dem Barranco befindet sich im Museo Canario in Las Palmas de Gran Canaria. [PRÜFEN – aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt vor Veröffentlichung]

Wandern und Mountainbiken: bis zum Gipfel oder zur Caldera de los Marteles

Für Autofahrer ist am Restaurante Tagoror Schluss – ab hier geht es nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike weiter. Eine unbefestigte Piste führt zunächst zum Weiler Lereta und von dort weiter bergauf. Vom Straßenende steigen Bergpfade über beide Höhenzüge der Schlucht auf: Über den einen Kamm gelangt man in Richtung Gipfelregion der Cumbre, über den anderen zur Caldera de los Marteles – einem kreisrunden Vulkankrater von rund 550 m Durchmesser, dessen Basis auf etwa 1.459 m liegt. [PRÜFEN – genaue Zuordnung linker/rechter Höhenzug]

Die beliebteste Tour ist der lineare Weg zur Caldera de los Marteles (rund 7 km ab Straßenende, etwa 5 Stunden, hoher Schwierigkeitsgrad). Als Alternative verbindet eine Rundwanderung von etwa 11–15 km und rund 1.000 m Höhenunterschied beide Talflanken und damit die Gemeinden Agüimes und Ingenio. Wegen des starken Gefälles empfiehlt sich der Aufstieg bergauf. Mit dem MTB sind die GC-103 und die Pisten Richtung Lereta/Marteles gut fahrbar; schmale Gratpfade sind technisch anspruchsvoll – Beschilderung beachten, manche Abschnitte sind reine Wanderwege. [PRÜFEN – MTB-Zulässigkeit einzelner Abschnitte]

In der Nähe: Agüimes, eine der schönsten Ortschaften der Insel

Am Fuß der Schlucht liegt Agüimes mit einer der best erhaltenen und schönsten Altstädte Gran Canarias – gepflasterte Gassen, kanarische Architektur und die imposante Pfarrkirche San Sebastián prägen den Casco Histórico. Vier Jahrhunderte lang war der Ort bischöfliches Lehen, was seinen besonderen Charakter erklärt. Ein Interpretationszentrum am Plaza de San Antón erschließt die Geschichte des historischen Kerns.

Einordnung: Guayadeque im Vergleich

Unter den Barrancos der Insel ist Guayadeque der Klassiker für die Verbindung aus Landschaft und altkanarischer Kultur. Wer vor allem Höhlensiedlungen und Archäologie sucht, findet Verwandtes im Cenobio de Valerón oder in der Cueva Pintada in Gáldar; wer Palmen und Nekropolen bevorzugt, ist im Barranco de Fataga richtig; und für grünes, wasserreiches Wandern bieten sich Azuaje oder der Barranco de los Cernícalos an. Guayadeque vereint von allem etwas – lebendige Höhlenkultur, spektakuläre Felslandschaft und anspruchsvolle Bergrouten.

Anreise ab Las Palmas

Mit dem Bus

Mit den Überlandlinien von Global (grün) ab San Telmo: Linie 11 und die schnellere Linie 21 fahren nach Agüimes. Die Haltestelle „Barranco Guayadeque" liegt allerdings an der Hauptstraße nahe Ingenio, nicht oben im Tal – von dort ist es bis zu den Höhlenrestaurants noch weit; wer die Schlucht erkunden will, ist mit Auto, Taxi oder zu Fuß besser bedient. Aktuelle Fahrpläne unter global.es. [PRÜFEN – Andén-Nummer je Linie]

Mit dem Auto

Von Las Palmas über die GC-1 Richtung Süden bis zur Ausfahrt Carrizal/Ingenio, dann auf die GC-103, die durch Agüimes oder Ingenio in den Barranco führt. Fahrzeit rund 30 Minuten. Die Straße endet beim Restaurante Tagoror; das dortige Parkangebot ist knapp und offiziell den Gästen vorbehalten – früh kommen. [PRÜFEN – Fahrzeit/Parken]

Mit dem Fahrrad

Die Auffahrt durch den Barranco ist ein stetiger, fordernder Anstieg. Mit dem Rennrad lässt sich die GC-103 bis zum Straßenende fahren; die Pisten darüber hinaus Richtung Lereta und Caldera de los Marteles sind ein Ziel für Mountainbike oder E-MTB. Für Gelegenheitsradler ist das Tal als reine Anreiseoption nicht realistisch.