Barrancos auf Gran Canaria – die großen Schluchten der Insel
Von grünen Lorbeerwäldern bis zu Tuff-Canyons – die Täler der Insel im Überblick
Die Barrancos auf Gran Canaria sind mehr als Schluchten: Sie gliedern die Insel, bestimmen Klima und Vegetation und bewahren jahrtausendealte Geschichte. Dieser Überblick stellt die bedeutendsten Täler von Guayadeque bis Azuaje vor – mit Lage, Charakter und praktischen Tipps für den Besuch.
Was einen Barranco ausmacht
Ein Barranco ist eine durch Wasser eingegrabene Schlucht. Auf dem vulkanischen, kegelförmigen Aufbau Gran Canarias sind über Jahrmillionen zahlreiche solcher Kerbtäler entstanden – viele mit dem typischen, steilwandigen V-Profil. Von der zentralen Cumbre laufen sie strahlenförmig zur Küste und gliedern die Insel wie die Speichen eines Rades. Sie bestimmen, wo Wasser fließt, welche Pflanzen wachsen und wo Menschen siedeln. So erklärt sich das enge Nebeneinander von tropfnassem Lorbeerwald und Halbwüste, für das Gran Canaria berühmt ist.
Der Nordosten: Barranco Guiniguada, das Gründungstal der Hauptstadt
Der Guiniguada entspringt im Inselzentrum auf rund 1.850 m und läuft auf etwa 22 km über Vega de San Mateo und Santa Brígida bis nach Las Palmas. In seinem Einzugsgebiet lebt heute rund die Hälfte der Inselbevölkerung. An seiner Mündung entstand 1478 die Keimzelle der Stadt – die Viertel Vegueta und Triana. Historisch trennte er vermutlich die altkanarischen Königreiche von Gáldar und Telde.
Der Osten: Barranco de Guayadeque und seine Höhlenwelt
Guayadeque zählt zu den größten Barrancos des Archipels und ist seit 2000 Naturdenkmal. Er trennt Agüimes und Ingenio; in seine weichen Tuffwände sind seit prähispanischer Zeit unzählige Höhlen gegraben – Wohnhöhlen, Speicher, eine Felskapelle und heute auch Höhlenrestaurants. Archäologisch ist das Tal einer der wichtigsten Fundplätze der Insel. Mehr zum Barranco de Guayadeque [ANLEGEN].
Der Süden: Barranco de Fataga, das Tal der tausend Palmen
Der Barranco de Fataga zieht von den Dünen von Maspalomas hinauf bis in die Gipfelregion und verbindet Küste und Cumbre in einer einzigen tiefen Schlucht. Trotz Trockenheit gedeiht hier ein geschützter Palmenhain. Kulturelles Highlight ist die Necrópolis de Arteara, die größte altkanarische Begräbnisstätte der Insel mit über 800 Grabhügeln. Weiter östlich prägt der Barranco de Tirajana die gewaltige Erosionssenke der Riscos de Tirajana mit dem Stausee der Sorrueda und der Fortaleza de Ansite.
Der Westen: Tejeda und La Aldea – die größte Schlucht der Insel
Das System Barranco de Tejeda / Barranco de La Aldea entwässert die Caldera de Tejeda – das erodierte Herz der Insel mit Roque Nublo und Roque Bentayga – und bildet das größte hydrografische Becken Gran Canarias und des gesamten Archipels. Die Region gehört zum Parque Rural del Nublo und zum UNESCO-Biosphärenreservat.
Der Norden: Barranco de Azuaje und das grüne Agaete
Der Barranco de Azuaje zwischen Firgas und Moya führt ganzjährig Wasser und bewahrt ein Relikt der Laurisilva – des immergrünen Lorbeerwaldes aus dem Tertiär – mit Wasserfällen, eisenhaltigen Quellen und den Ruinen eines alten Heilbades. Wenige Kilometer weiter liegt das Valle de Agaete, ein von Bergen umschlossener Kessel mit fast tropischem Mikroklima, in dem der einzige kommerziell angebaute Kaffee Europas gedeiht.
Kleine Wunder: Barranco de las Vacas und weitere Geheimtipps
Nicht jeder Barranco ist groß: Der Barranco de las Vacas bei Temisas (Agüimes) ist auf nur rund 50 m ein Slot-Canyon aus farbigem Tuff, dessen geschwungene Wände an den Antelope Canyon in Arizona erinnern. Der benachbarte Barranco de Balos birgt das bedeutendste Felsgravuren-Ensemble der Insel, und der wasserreiche Barranco de los Cernícalos bei Telde gilt als eine der schönsten Wanderungen entlang kleiner Wasserfälle.
Einordnung: Welcher Barranco passt zu welchem Ausflug?
Zur Orientierung im Vergleich mit den übrigen Naturhöhepunkten der Insel:
- Archäologie & Kultur: Guayadeque (Höhlensiedlungen), Fataga/Arteara (Nekropole), Balos (Felsgravuren) – vergleichbar mit dem Cenobio de Valerón oder der Cueva Pintada in Gáldar.
- Grün & Wasser: Azuaje und Los Cernícalos – die feuchte Gegenwelt zu den trockenen Südtälern, botanisch näher am Lorbeerwald der Tilos de Moya.
- Landschaft & Weite: Tejeda/La Aldea und Tirajana – Maßstab und Dramatik wie am Roque Nublo, den beide Becken ohnehin einrahmen.
- Fotomotiv & kurzer Stopp: Barranco de las Vacas – ein schnelles Ziel, gut kombinierbar mit den Dünen von Maspalomas oder der Caldera de Bandama.
Anreise zu den Barrancos ab Las Palmas
Mit dem Bus
Überlandlinien betreibt Global (grün); der Abfahrtsbahnhof hängt von der Linie ab – teils San Telmo, teils Santa Catalina. Nach Agüimes und zum Barranco de Guayadeque fahren die Linien 11 und 21 ab San Telmo; nach Tejeda über Vega de San Mateo die Linie 303 (Anschluss Linie 305). Nach Agaete verkehrt die Linie 103. Innerhalb von Las Palmas – etwa entlang des Guiniguada zwischen Vegueta und Triana – fahren die Guaguas Municipales (orange). Aktuelle Linien und Fahrpläne unter global.es und guaguas.com. [PRÜFEN – linienbezogene Bahnhof-/Andén-Angaben je Barranco]
Mit dem Auto
Die Autobahnen GC-1 (Süden/Osten) und GC-2 (Norden) erschließen die Küstentäler; ins Zentrum und zur Cumbre führt die GC-15. Fahrzeiten ab Las Palmas: Guayadeque rund 30 Minuten, Azuaje etwa 25 Minuten, Tejeda gut eine Stunde. An beliebten Zielen wie dem Barranco de las Vacas ist das Parkangebot knapp – früh kommen. [PRÜFEN – Fahrzeiten/Parken je Ziel]
Mit dem Fahrrad
Fast alle Barranco-Zufahrten bedeuten ernsthafte Anstiege. Für sportliche Rennradfahrer sind die Auffahrten Richtung Cumbre ein bekanntes Trainingsrevier; für alle anderen empfiehlt sich ein E-Bike oder Mountainbike. Als reine Anreiseoption für Gelegenheitsradler sind die meisten Täler nicht realistisch.







