Naturmonumente Gran Canaria: Wahrzeichen einer Vulkaninsel
natürliche Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria
Die oft impressionanten Schönheiten der Natur auf Gran Canaria finden sich oft Abseits der Urlaubsorte im bergigen Zentrum der Insel. Entdecken Sie auf individuellen Ausflügen per, Bus, Mietwagen, Motorrad oder Fahrrad die einmaligen Sehenswürdigkeiten der Natur.
Warum Gran Canarias Landschaft einzigartig ist
Gran Canaria wird oft „Miniaturkontinent" genannt, und der Grund dafür liegt im Gestein. Auf gut 1.560 km² drängen sich Klimazonen und Landschaftsformen, für die man anderswo einen ganzen Kontinent bereisen müsste. Geformt hat sie der Vulkanismus: In mehreren Eruptionszyklen über Jahrmillionen entstanden Schildvulkane, Calderen und mächtige
Ignimbrit-Decken, die Wind und Wasser anschließend zu Schluchten, Felstürmen und Steilküsten zerschnitten haben. 1910 nannte der Schriftsteller Miguel de Unamuno das zerklüftete Inselinnere einen „versteinerten Sturm" (tempestad petrificada) – ein Bild, das bis heute trägt.
Viele dieser Naturräume sind offiziell geschützt: Zehn Ziele auf der Insel führen die kanarische Schutzkategorie „Monumento Natural". Darüber liegen zwei UNESCO-Auszeichnungen – das Biosphärenreservat (seit 2005) und das Weltkulturerbe „Risco Caído und die heiligen Berge" (seit 2019), das große Teile des Inselzentrums umfasst.
Roque Nublo – das Wahrzeichen im Inselzentrum
Kein Naturmerkmal steht so sehr für Gran Canaria wie dieser rund 80 Meter aufragende Monolith bei Tejeda. Er ist der Erosionsrest einer explosiven Eruption: Härtere, verschweißte Glutwolken-Ablagerungen blieben stehen, während die weichere Umgebung abgetragen wurde. Mit seiner Umgebung zählt er zu den höchsten Erhebungen der Insel; den Altkanariern galt er als heiliger Ort. Seit 1994 ist er Monumento Natural, seit 2019 Teil des Welterbes. Der Aufstieg zum Fuß des Felsens dauert von der Straße aus etwa 40 Minuten; nebenan stehen die Formationen Roque del Fraile und La Rana.
Roque Bentayga – heiliger Berg der Altkanarier
Nur wenige Kilometer entfernt erhebt sich der Bentayga, ein fast pyramidenförmiger Fels mit einem almogarén (vorspanischer Kultplatz) an seinem Fuß. Er war einer der letzten Rückzugsorte der Ureinwohner vor der kastilischen Eroberung und liegt innerhalb des Parque Rural del Nublo. Ein Besucherzentrum an der GC-671 erschließt Geschichte und Aussicht.
Caldera & Pico de Bandama – der jüngste Vulkan der Insel
Rund zehn Kilometer von Las Palmas entfernt liegt der spektakulärste Beleg für jungen Vulkanismus auf Gran Canaria. Der Krater misst gut 1.000 Meter im Durchmesser und rund 200 Meter in der Tiefe, sein Rundweg etwa drei Kilometer. Die zugehörige Eruption vor etwa 2.000 Jahren gilt als die jüngste der Inselgeschichte. Vom Pico de Bandama (ca. 569 m) reicht der Blick über den Nordosten bis zur Hauptstadt. Der Name geht auf Daniel Van Damme zurück, einen flämischen Kaufmann des 16. Jahrhunderts, der im Krater Wein anbaute; im Kraterinneren finden sich Höhlen der Altkanarier. Bandama ist Monumento Natural und Teil des Landschaftsschutzgebiets von Tafira.
Barranco de Guayadeque – Schlucht der Höhlenmenschen
Zwischen Agüimes und Ingenio zieht sich eine der eindrucksvollsten Schluchten der Kanaren von der Cumbre bis zur Küste. Guayadeque besitzt eine der höchsten Dichten archäologischer Fundstellen der Insel – hunderte Höhlen dienten den Ureinwohnern als Wohnung, Speicher und Grabstätte. Die Tradition lebt weiter: bewohnte Höhlenhäuser, eine in den Fels gegrabene Kapelle und Höhlenrestaurants prägen das Tal. Hinzu kommt eine außergewöhnliche Zahl endemischer Pflanzen und Tiere. Seit 2000 ist die Schlucht Monumento Natural (archäologisch seit 1991 geschützt). Wer im Winter kommt, erlebt von Januar bis März die Mandelblüte.
Riscos de Tirajana – das Felsamphitheater des Südens
Über der weiten Cuenca de Tirajana spannt sich ein gewaltiger Erosionskessel mit steilen Wänden und Felszacken – ebenfalls ein Monumento Natural. Die Formation macht anschaulich, wie tief sich Wasser über Jahrtausende in das vulkanische Hochland gegraben hat.
Pinar de Tamadaba – der wildeste Wald der Insel
Im Nordwesten liegt mit rund 7.500 Hektar ein Parque Natural, der von der Höhe bis zur nahezu unzugänglichen Küste reicht. Sein Kern ist einer der besterhaltenen Bestände der Kanarischen Kiefer (Pinus canariensis), einer feuerresistenten, endemischen Art. Tamadaba gehört zum Welterbe und zählt zu den ruhigsten, ursprünglichsten Ecken Gran Canarias.
Andén Verde & Mirador del Balcón – die Steilküste des Westens
Zwischen Agaete und La Aldea de San Nicolás fällt die Küste entlang der GC-200 fast senkrecht ins Meer. Vom Mirador del Balcón öffnet sich der Blick auf eine gezackte Klippenlinie, deren Silhouette an einen Drachenschwanz erinnert – eine der markantesten Küstenszenerien des Atlantiks.
Tejeda & die Caldera de Tejeda – der versteinerte Sturm
Das Bergdorf Tejeda liegt am Rand jener riesigen Caldera, die Unamuno zu seinem berühmten Bild inspirierte. Es zählt zu den schönsten Dörfern Spaniens und ist idealer Ausgangspunkt für Roque Nublo und Bentayga. Im Winter lockt das Mandelblütenfest.
Weitere geschützte Naturräume
Über die Flaggschiffe hinaus prägen weitere Schutzgebiete das Bild: der junge Schlackenkegel Montañón Negro, der archäologisch bedeutsame Barranco del Draguillo, die Caldera de los Marteles und – im Süden – die Wanderdünen von Maspalomas als Reserva Natural Especial.
Anreise & Orientierung ab Las Palmas
Weil die Naturmonumente über die gesamte Insel verstreut liegen, gibt es keine einheitliche Verbindung – die konkrete Anfahrt steht auf der jeweiligen Unterseite.
- Mit dem Bus: Überlandfahrten übernimmt Global (grün), Abfahrt in Las Palmas am Busbahnhof Santa Catalina. Die passende Linie hängt vom Ziel ab und ist auf global.es. Die orangefarbenen Guaguas Municipales (Abfahrt San Telmo) verkehren nur im Stadtgebiet und erreichen keines der Naturmonumente direkt.
- Mit dem Auto: Bandama über GC-802/GC-822; das Zentrum (Roque Nublo, Tejeda) über GC-15 nach San Mateo bzw. weiter auf GC-60; Tamadaba über Artenara und GC-216; die Westküste über die GC-200. Für mehrere Ziele empfiehlt sich ein Mietwagen.
- Mit dem Fahrrad: Nur für trainierte Rennrad- oder Gravel-Fahrer realistisch – die Anstiege ins Bergland sind lang und steil. Für Bandama erleichtert ein E-Bike die Auffahrt spürbar.